" Hier gibts Rosenwasser: Mai 2010

Wir sind Grand Prix

Meine persönliche Top 10 der bemerkenswertesten Ereignisse des Eurovisions Song Contest 2010.

Platz 10 - Die Wiederholung des Siegertitels von 2009. Alexander Rybak - Fairytale. Zu Recht ein Gewinner.

Platz 9 - Der dreiste Retortensong aus Dänemark mit dem sie es – unfassbarer Weise - auf die vorderen Plätze schafften.

Platz 8 - Der Fan, der die Performance Spaniens sprengte, in dem er sich auf die Bühne begab und mittanzte, was letzten Endes dazu führte, dass wir das 3 minütige Grauen noch einmal über uns ergehen lassen mussten.

Platz 7 - Die Ballerina im Backround Ensemble, das Beste an der Interpretation aus Spanien. Vielleicht hätte man ihr auch das Mikrofon überlassen sollen.

Mein Platz 6 geht an Peter Nalitch und Band. Die Russen überzeugten mich mit folkloristisch,- schwülstigen Tönen und einer guten Portion Ironie.

Platz 5 - Alyosha, - die blonde Schnitte aus der Ukraine – die überraschend talentiert daherkam und mit „Sweet People“ unerwartet meinen Geschmack traf.

Platz 4 - Peter Urban, der mir mit seinen Kommentaren und seiner Stimme immer wieder Vergnügen bereitet.

Auf Platz 3 schafft es der belgische James Blunt mit seiner Klampfe, der Deutschland mit Authenzität überzeugte.

Platz 2 geht noch einmal an Peter Urban, welcher nach dem Sieg derart von der Rolle war, dass er mich zum lachen brachte.

Platz1 - Lena's entzückende Präsentation von „Satellite“. Für mich persönlich nicht einmal ein starker Song, den ich zudem auch nicht mehr hören kann, aber das Gesamtpaket hat es gerissen.

Ein Heimatloser findet zur Ruhe

Wem es noch nicht aufgefallen sein sollte, das Dichten ist nicht mein Steckenpferd.
Trotzdem erfreue ich mich ab und zu an einem talentfreien Vierzeiler.


Ein armer, hässlicher Hasenmann,
wurd ständig verschenkt und kam nie an.
Heimlich des Nächtens ins Beet gestellt,
freut es jetzt ihn und Nachbarns Welt.



Hinterfragt

Ab diesem Jahr werden sämtliche Fotostrecken in der Brigitte von der Mode über Beauty bis hin zu Living und Fitness nicht mehr mit Models produziert.

Also ohne berufliche Models. Die normale Frau von heute präsentiert die Mode von heute - das war wohl die Idee dahinter. Damit möchte die Redaktion Zeichen setzen, an einer Fehlentwicklung der Modeindustrie der letzten Jahrzehnte kratzen.
Als Herausgeber einer großen, etablierten Frauenzeitschrift beweisen sie damit Mut.
Schönheitsideale von Size Zero über 90/60/90 sind lange genug plakatiert worden.

Dumm nur, dass die nun in der Brigitte abgebildeten Frauen zwar von Berufs wegen keine Models sind, aber so aussehen, als könnten sie welche sein.
Die Erklärung dazu, man könne mit Hilfe fähiger, guter Stylisten und Fotografen beinahe jede Frau ebenso gut in Szene setzen greift für mich da zu kurz. Das kann man nämlich nicht!
Richtiger ist wohl, dass durch ein äußerst präzises und wohlüberlegtes Auswahlverfahren nur überdurchschnittlich attraktive Damen das Blatt zieren dürfen.

Diese verdienen sich dann angeblich Ihren Lebensunterhalt als Lehrerin, Barbesitzerin oder Architektin. Die durchschnittliche Frau mit 1,5 Kindern, Vollzeit arbeitend und von Natur aus so bombig aussehend. Kritik aus der Emma Redaktion ist berechtigt.
Diese abgelichteten Hobbymodelle entsprechen nicht dem Durchschnitt unserer Frauen in Deutschland.

Warum also der ganze Aufwand? Was für ein Kalkül wird hier verfolgt?
Die neue Strategie würde nur dann für das gesellschaftliche Frauenbild Sinn machen, wenn auch tatsächlich ganz normale Frauen abgebildet werden – eben auch solche, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

Hat man hier ein ungeahntes Sparpotenzial entdeckt? Weniger professionell, dafür billiger?
Bis zum Jahresende muss, so steht es bei www.freischreiber.de/home/abschied-von-alten-idealen , Gruner & Jahr 200 Millionen Euro einsparen. Steigen auf diese Weise die nötigen Verkaufszahlen? Das Konzept dürfte nicht unbekannt sein.
Im Fernsehen unterhalten uns fast jeden Abend mittlerweile gecastete Laien.

Was also auch immer hinter der pseudo trendigen und idealistischen Idee der Brigitte stecken möge: Mich überzeugt das nicht!

Hoffen auf bessere Tage

"Da passt aber nicht viel rauf", sagt die Nachbarin mit einem bedröppelten Blick auf meinen Balkon, während sie ihren großen Garten beackert.
"Haben Sie jemals einen Sommer ohne Balkon bzw. Garten erlebt?" frage ich.
"Dann wissen Sie, dass jeder Balkon besser ist als gar keiner. Und wenn er nur ein paar Quadratmeter groß ist."

Das ist nämlich groß genug um folgendes darauf veranstalten zu können:

Sonnenbaden, Blumen pflanzen und betüddeln, die Katz vom Weglaufen abhalten, Klönabende mit Freunden abhalten, Schreiben, den Nachbarn hinterherspionieren, die Zwille nach dem Marder schiessen, Händchenhalten, Einen heben, Musik hören, die Katz ärgern, Chillen, Bücher und Zeitschriften verschlingen, am Lappi daddeln, Sudoku lösen, Wäsche trocknen, Telefonieren, die Katz fotografieren, den Jahreszeiten zuschauen und

Grillen.

Eigentlich gibt es wenig, was man nicht auf einem Balkon tun kann.
Bestenfalls bei herrlichem Wetter.

Und wenn es jetzt draussen kühl und niederschlagsreich ist, dann erheitert einen
immerhin die Gewißheit einen Balkon zu haben, denn es werden mit Sicherheit bessere
Tage kommen.

Vom Glück begünstigt

Ich kann mit Recht behaupten, die besten Freunde der Welt zu haben!
Das hat der gestrige Abend einmal mehr bewiesen.
Dichter, Philosophen, Psychologen und andere kluge Köpfe sagen und schreiben es nicht nur, - es stimmt tatsächlich:

Gute Freundschaften machen glücklich!

Zugelaufen


am 9. Mai gegen 22 Uhr

Die französische Bulldoggenkatze!



Du bist von ganz besondrer Art,
Drum find ich Dich irgendwie recht apart
.
Darfst verweilen mit deiner lust'gen Fratze,
Du sonderbare Mietzekatz
e.

Im Portrait:

Danny S.











Kleine Zuneigungsbekundung


Bei all meinen Vorsichtsmaßnahmen
-
ich kann sehen wer Du bist.

Sich fallen lassen können und Dich im Rücken spüren.
Deinen Worten Glauben schenken können, denn sie sind wahrhaftig.
Wieder sorglos den Zeitgeist für sich entdecken,
denn die Aliens stehen mit Dir nicht im Bunde.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Lutterburg Teil II


Hoch über der Weser soll es liegen, das 21,6 ha große Areal der historischen Lutterburg an der deutschen Mächenstraße, mit Ruinen von 2 Muthesius-Villen, Pfötnerhaus mit Garagen, Kapelle und Friedhof.

Wir schlagen uns den Wald fast senkrecht hoch.
Kein Weg, nicht einmal ein Trampelpfad ist vorhanden. Das Laub ist rutschig, die Puste geht zu schnell aus.
Die Wiese auf der ersten Anhöhe des Hopfenberges
läd zum Rasten ein, wir laufen jedoch weiter
westwärts. Inzwischen auf einem Pfad, der sich
leicht abzeichnet.

Erstaunlich schnell haben wir den Stall mit dem Quartier für das einstige Personal erreicht.
Die Laune ist bombig, die Fotoapparate blitzen.
Das kleine Häuschen muss nicht viel Platz geboten haben. Weder für Tiere, noch weniger aber für das Personal.
Von hier führt ein kleiner Weg auf gleicher Ebene weiter Richtung Westen.
Eine Steinwand lugt durch das Grün der vielen
Bäume und Pflanzen. Da muss es sein, die erste Villa. Die der Familie Büttner, größer und herrschaftlicher erbaut als die zweite der Familie Harms.
Diese Ruine lässt traurig erahnen was sie einmal
gewesen sein muss.

Das Haus bot 2 Stockwerke, 2 Kellerebenen, ein nachträglich darauf gesetztes Obergeschoß sowie einen opulenten Wintergarten.
Von jedem Zimmer des Hauses aus gelang man auf den Balkon, der sich großzügig um das Haus schloss.

Da die Treppen heute nicht mehr intakt sind, kann man die oberen Stockwerke nicht betreten. Ohnehin ist alles einsturzgefährdet, morsch und wackelig.
Dafür lassen sich die beiden Kellerebenen noch erkunden.
Ganz unten ist es kalt und moderig, man sieht seine eigene Hand vor Augen nicht mehr.
Die Cam läuft und irgendwie sehe ich mich just im Blairwitch Projekt.
Das kleine Licht meines Handys ist besser als gar kein eigenes
Licht und damit stolpere ich wieder
nach oben ins Warme, ins Helle.
Langsam lässt auch die Gänsehaut
wieder nach.

Ringsum hat sich die Natur jeden Millimeter zurückerobert. Die vor dem Haus angelegten Terassenstufen kann man erahnen, sie sind jedoch - wie man heute weiß - nie fertiggestellt worden.
Gleiche Himmelsrichtung ein Stück weiter bergauf schließt sich das zweite Haus an.
Etwas kleiner, ebenfalls komplett verfallen.

Nur die Kapelle ist nicht in Sicht. Laut Beschreibung muss sie weiter oberhalb liegen, nur ohne Weg heißt es wieder bergauf und quer durch den Wald schlagen. Mittlerweile ist der Hang auf dem wir laufen extrem hoch und steil. Schottersteine und Laub machen das Gehen noch gefährlicher. Die Natur wächst und wuchert von allen Seiten.
Es wird sich auf das Laufen konzentriert,
kein Foto mehr geschossen, nur die Cam
nimmt ab und zu auf.

Neben den Freunden die vor und
hinter einem kraxeln, rauscht
ganz weit unten irgendwo die B83
entlang.
Wer aber ab und zu einen Moment
innehält und die Atmosphäre
dieser Gegend wahr nimmt, kann
eine Menge Mystik versprühren.


Als die Kapelle ein Stück weiter unterhalb in Sicht kommt, bin ich erleichtert und surfe mit den anderen auf dem Laub hinab zur beginnenden Friedhofsmauer.
Vier Wände der Kapelle stehen noch komplett. Der vorhandene Altar ist stark beschädigt.
Zu beiden Seiten der Kapelle wurde Platz geschaffen für Gräber. Familie Harms ruht auf der linken Seite. Die letzte Tochter der Generation ruht dort ebenfalls.

Spätestens jetzt vor den Gräbern an der kleinen Kapelle mitten im Wald wird einem klar, wie außergewöhnlich dieses Gelände zu seiner Zeit gewesen sein muss und dass der Ausflug jede Minute wert war.
Über die Menschen die hier lebten kann man nur mutmaßen aber es hat sie gegeben. Bis 1977.

Es mag etwas kurios sein, dass Büttner hier eine Ferienstätte für
Professoren bieten und damit zugleich erreichen wollte, dass das Gelände weiterhin gepflegt und ihm ein Andenken verschaffen würde.
Was die Zeit hinterlassen hat ist ein Ruinenpark, der magisch und einzigartig sein dürfte. Ein Anziehungspunkt für Pilger, die das Besondere interessiert und fesselt.

Lutterburg Teil I



















Am 1. Mai wird marschiert.
Aber nicht mit der Nelke in der Hand über den Alex, sondern mit dem Rucksack auf dem Rücken zu den Lutterburg Ruinen bei Bodenwerder.

Im Gepäck: Wasser, Schokoriegel, Gummibärchen, Taschenlampe, Fotoapparat, Videokamera
Wetter: warm und sonnig
Zeit: inzwischen 15 Uhr

Die Autos werden auf dem Parkplatz geparkt nahe dem Hopfenberg, auf dem das Lutterburggelände zwei verfallene Herrenhäuser, eine Kapelle plus Friedhof, einen Stall sowie ein Pförtnerhaus offenbaren soll.

Zur Hintergrundgeschichte:

Im Jahr 1908 beschloss Ernst-Theodor Büttner (geboren am 22. Oktober 1865), Kaufmann aus Stade, ein Eigenheim für sich und seine Familie zu bauen. Büttner handelte mit Klöppelspitze und Stickmustern erfolgreich nach Übersee und bemühte sich um ein großes Grundstück. Seine Frau Dorothea, geborene Pampel, hatte eine jüngere Schwester, Helena, die mit dem Bodenwerderaner Arzt Heinrich Harms verheiratet war.
Gemeinsam entschieden sich die beiden wohlhabenden Familien für den Bau zweier Häuser auf dem Gelände der Lutterburg. Geldgeber und Bauherr Büttner zog den international bekannten deutschen Architekten Hermann Muthesius zurate, der ein Ensemble aus zwei Landhäusern mit Pförtnerhaus und Gartenanlage für die Familien entwarf.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Muthesius

Als Vertreter der Moderne im beginnenden 20. Jahrhundert war es Muthesius’ Anliegen, die Grundrisse seiner vom englischen Landhausstil maßgeblich beeinflussten Vorstadtvillen und Landhäuser aus dem Grundriss heraus zu entwickeln, also die Funktionalität und Alltagstauglichkeit der Gebäude in den Vordergrund zu stellen und keine Abstriche in der Zweckmäßigkeit zugunsten künstlerischer Wirkung zu machen. So sind die Häuser am Hopfenberg auch streng gegliedert in private, offene und Personalbereiche und lassen bereits am Grundriss wesentliche Abläufe im Haus erkennen
In zweijähriger Bauzeit (1909 bis 1911) schufen zahlreiche heimische Handwerker in aufwendiger Arbeit die neue Heimat für die Familien Harms und Büttner. Um die Anlage zu pflegen, war Personal erforderlich, bis zu sieben Angestellte gab es in der Glanzzeit.
Sein gesamtes Vermögen von 2,5 Millionen Mark vermachte Büttner mit dem Tod seiner Gattin der Universität Göttingen – zu Krebsforschungszwecken.
Das Anwesen am Hopfenberg erbte der Universitätsbund Göttingen. Büttner wollte damit eine Ferienstätte für die Professoren bieten und erreichen, dass das Gelände weiterhin gepflegt und ihm ein ehrendes Andenken gewahrt würde. Die Tochter des Ehepaares Harms, Irma Rode, hatte ein lebenslanges Wohnrecht, von dem sie bis 1977 Gebrauch machte.
Die Uni Göttingen veräußerte das Anwesen jedoch schnellstens an einen Bremer Kieswerkbesitzer, und von nun an wechselte die Anlage zügig die Besitzer.
Das mittlerweile leerstehenden Büttner-Haus brannte 1987 und wurde zwangsversteigert. Neue Eigentümerin war Cecilie Wolf, geborene Knocke, die Tochter des Vorbesitzers. 1994 erwarb die Hopfenberg GmbH das Gelände und ist bis heute Besitzer der Anlage.

Mittlerweile hat sich die Natur den ehemals bebauten Teil des Hopfenbergs zu großen Teilen zurückerobert. Inzwischen ist auch das Pförtnerhaus an der Bundesstraße 83 verfallen.

(Auszüge aus der Landeszeitung)