" Hier gibts Rosenwasser: Juli 2010

"Sag mir wo die Blumen sind..."

Das Landleben bietet je nach Saison viele, kleine und wundervolle Möglichkeiten sich der Natur verbunden zu fühlen.
Ein Highlight dieser Möglichkeiten ist für mich eindeutig das Sommerblumen pflücken vom Feld.
In den letzten Jahren habe ich diese Gelegenheiten leider nicht mehr genutzt. Vielleicht ist mir ein wenig der Sinn an solch schönen Erlebnissen abhanden gekommen, während der Kopf mit anderen Dingen beschäftigt war.
Es zählt jedoch einzig, dass das Empfinden wieder zurück ist und ich es sehr willkommen heiße.

Wenn ich also an einem warmen Sommertag auf dem Feld stehe, zwischen den bunten, duftenden und gutgelaunten Blumenreihen, dann geht mir das Herz auf wie ein Soufflé im Backofen.
Die Euphorie ist so groß, dass ich sie gern ALLE hätte. Die roten und gelben, samtigen und stachligen, banalen und extravaganten.
Und obwohl man genau weiß, dass man Daheim nur ein bestimmtes Kontingent an mittelgroßen Vasen besitzt, befindet man sich wie im Pflückrausch.

Der Mensch allerdings schafft es traurigerweise, sich auch dieser Lebensfreude schleichend zu entledigen.
Die Existenz solcher Blumenfelder ist nämlich keine Selbstverständlichkeit und begegnet einem leider auch immer seltener.
Die Freude am Pflücken kostet. Einen kleinen Beitrag. Für die Blumensamen und das notwendige Bewässern.
Einen Bruchteil an Entlohnung für Jemanden, dem der Boden gehört und der sich Arbeit macht um Frohsinn und Verzückung zu verbreiten, denn Geld verdient er damit nicht wirklich - im Gegenteil, er zahlt drauf.
Der kleine Blechkasten, der als Kasse dienen soll, ist nämlich meist leer. Naja, nicht ganz leer.
Neben Reißzwecken und Knöpfen befinden sich unter anderem noch Steine sowie Centstücke darin.
Eben all das, was beim Einwerfen klimpert und den Anschein einer Entlohnungen erweckt.
Und während immer mehr Blumen vom Feld verschwinden, wächst das Gelumpe in der Blechkiste.

Es bleibt nun jedem selber überlassen die Konsequenzen aus dieser unschönen Tatsache zu ziehen.
Ich für meinen Teil wünsche mir auch in der Zukunft Kartoffeln, Eier und Blumenfelder am Wegesrand!

Der mit dem M auf der Stirn

Ich kann mir kein anderes Haustier denken, das mir täglich ebenso großen Respekt vor Tieren unterweisen könnte, wie meine Katze.

Edit: ich habe einige E-mails bekommen, in denen ich gefragt wurde, warum ich die Verfasser einiger Texte, z.B. der Aphorismen nicht veröffentlicht habe.
Darauf möchte ich gern hier antworten, (quasi auch jenen, die sich diese Frage vielleicht auch schon gestellt haben) :
Alle weiterverwendeten Zitate, Gedichte, Aphorismen, Textauszüge und Anderes versehe ich selbstverständlich mit entsprechendem Verfasser.
Alle Texte ohne Verfasser sind lediglich Buchstabenideen aus meiner eigenen Kopfwerkstatt.
Ich danke Euch für das Interesse!
Liebe Julia,

in punkto Musik sind wir ja seit vielen Jahren so einiges von Dir gewöhnt.
Zuweilen hast Du uns den Job so schwer gemacht, dass wir unter Schmerzen gern los gewandert,- und woanders festgewachsen wären, hätten wir es denn gekonnt.
Andererseits haben wir das Vertrauen in Dich nie verloren, denn Du hast uns zwischendurch immer wieder überraschen und bezaubern können.

So auch in diesem Sommer.
Malika Ayane ist wirklich ein wundervolles Debütalbum gelungen. Zwar schon 2008 erschienen und damit nicht mehr ganz so neu, aber es zählt schon heute zu den Klassikern und sollte einfach immer erwähnenswert sein.
Unkonventionell,- leichte Sommermusik für unterwegs im Auto oder einfach zum träumen von Urlaub und Italien.
So macht uns die Arbeit Spaß.

Es danken Dir aufs herzlichste
Deine Ohren

Sommerliche Köstlichkeit

Cidre.

Seelenstreichler



Where the Sidewalk Ends

There is a place where the sidewalk ends,
And before the street begins,
And there the grass grows soft and white,
And there the sun burns crimson bright,
And there the moon-bird rests from his flight
To cool in the peppermint wind.

Let us leave this place where the smoke blows black
And the dark street winds and bends.
Past the pits where the asphalt flowers grow
We shall walk with a walk that is measured and slow,
And watch where the chalk-white arrows go
To the place where the sidewalk ends.

Yes we'll walk with a walk that is measured and slow,
And we'll go where the chalk-white arrows go,
For the children, they mark, and the children, they know
The place where the sidewalk ends.

Shel Silverstein

The Strife of Love in a Dream



















Gestern kam sie endlich mit der Post, samt ihrer vielen Geheimnisse.

Mich faszinierte ihr Titel und das Mysterium um die Hypnerotomachia Poliphili schon damals, etwa vor 4 Jahren, als ich das erste mal über sie in einem Roman las.
Erstmals erschien dieses wahre Wunderwerk der italienischen Renaissance 1499 in Italien, gefertigt in der Druckwerkstatt des namenhaften Verlegers Aldus Manutius. Die Erstauflage der Hypnerotomachia Poliphili fand zunächst wenig Beachtung, das Buch war dem Verständnis seiner Zeit weit voraus. Erst die Neuauflage 1545 wurde ein durchschlagender Erfolg. Wegen der Verwendung der venezianischen Schriftgattung sowie kunstvoller Initialen gilt sie als hochbedeutsame, typographische Abhandlung. 172 Holzschnitte schmücken die Rahmenhandlung des Werkes, in dem Poliphilo von seiner geliebten Polia träumt.

Aber die Hypnerotomachia ist weitaus mehr als nur eine Liebesgeschichte in einem Traum. Das Buch verblüfft durch ausführliche, detailbesessene und äußerst umfassende Beschreibungen der zauberhaften Orte und Gebäude, versteckten Rätsel, Metaphern und philosophischen Gedankenspiele, welche die Rahmenhandlung bereichern.
Eines der vielen Geheimnisse umgibt auch den Verfasser. Der Autor, der anonym bleiben wollte, gestaltete sein Werk als ein von Rätseln durchsetztes Geflecht tiefgründiger Anspielungen und Verweise, die sowohl die Liebe zum Wort als auch kunsthistorisches Interesse wecken. Ein Hinweis auf ihn eröffnet sich beispielsweise, wenn man die Anfangsbuchstaben der einzelnen Kapitel, hintereinander liest. Daraus ergibt sich ein Akrostichon: „POLIAM FRANCISCVS COLVMNA PERAMAVIT“ (Francesco Colonna hat Polia sehr geliebt).
Heute ist ziemlich gewiss, dass es sich bei dem Autor um Francesco Colonna handelt, der einer einflussreichen, römischen Adelsfamilie entstammte und über die Bildung, - als auch Kenntnisse verfügte, solch ein großes Werk zu verfassen.

Bei all ihrer Komplexität bietet die Hypnerotomachia stets die Möglichkeit das Mysterium, das sie aufgibt auch zu lösen, wenngleich der Autor sehr darum bemüht war seine literarische Arbeit überaus gut zu verschlüsseln. Das Buch ist in eine Herausforderung aus Latein, latinisiertem Italienisch, neu erfundenen Latinismen und dem römischen Italienisch des 15. Jahrhunderts. Darüber Hinaus gibt es Passagen in Hebräisch, Arabisch, Griechisch, ägyptische Hieroglyphen, mathematische Anmerkungen, geometrische und architektonische Konstruktionspläne, neuzeitliche Hieroglyphen und Bilderrätsel.
In deutscher Sprache ist bis heute leider, leider keine Auflage erschienen. Zum Glück gibt es aber reichlich Sekundärliteratur, die einem beim Entschlüsseln und Verstehen hilfreich zur Seite steht.
Alles in allem ist die Hypnerotomachia Poliphili sicherlich keine leichte und verdauliche Kost. Sie setzt zum Einen großes Interesse an der italienischen Renaissance voraus sowie reichlich Geduld sich Kapitel für Kapitel vorzuarbeiten.
Die Abenteuer des Protagonisten jedoch, mit all den Beschreibungen und Holzschnitten, machen die Hypnerotomachia auf jeden Fall zu einem einzigartigen Meisterwerk!

Randnote

Heute habe ich mich gefragt, wie es nur möglich ist, dass manche Menschen fortwährend unbeschwert und großspurig durch das Leben gehen.
Bei allem was sie nämlich so verbocken, könnten sie doch vielleicht ab und an etwas Bescheidenheit an den Tag legen und ihre "Lautstärke" ein wenig drosseln.

Birgit H.







there must be an angel
playing with my heart...

Im Portrait: Birgit H.