" Hier gibts Rosenwasser: August 2010

Unvermeidliches

Ich fürchte ich werde alt, ich schlafe plötzlich gern in gebügelter Bettwäsche.

Der mit dem M auf der Stirn

4 kg Glück

Allegorie

Die allerbeste Trattoria dieses Landkreises und darüber hinaus, die gibt es in Bodenwerder.
Das ist bisher unumstritten und unwiderlegbar. Dort stimmt einfach alles. Vom Ambiente, über den Koch, bis hin zum Essen.
Neben Wein und Antipasti stibitzte ich ein paar Nudeln vom Nachbarteller und war von diesen Spaghetti aglio olio derart begeistert, dass ich am liebsten die Teller getauscht hätte sie zuhause auf diese Weise nachgekocht habe und sie zum persönlichen, saisonalen Lieblingsgericht kürte.

Die Zubereitung ist zwar einfach, ich ziehe aber auch immer öfter das Elementare dem Extravaganten vor.
Aperol fetzt.

Kleinanzeige

Ich hatte am Wochenende eine Kleinanzeige in der Zeitung aufgegeben.
Das gesuchte Objekt habe ich jetzt mal durch einen Stabmixer ersetzt, aber das quod erat demonstrandum bleibt das gleiche.
Die Anzeige lautete ungefähr so:

...kleiner, handlicher Stabmixer gesucht

Am Telefon verkaufen wollte man mir:
ein Rührteiggerät, einen Akkuschrauber, einen Elektogrill und einen Betonmischer.
Lustig wie viel Interpretationsspielraum man so zulässt, um zu einem
Geschäftsabschluß zu gelangen.

Das Ding mit der Eitelkeit

Das Blog hat einen neuen Namen.
Bei der heutigen Vielzahl an Blogs im Netz, ist es eigentlich nicht ungewöhnlich, wenn es Blogtitel mehrfach gibt,

wenn – das – Wörtchen – eigentlich – nicht - wär

und als ich mit dem Schreiben anfing, war mir nicht so richtig klar, wohin die Fahrt genau gehen würde. Daher habe ich nicht recherchiert, hat es mich nicht sonderlich interessiert und eigentlich sind Namen ja Schall und Rauch,

wenn – das – Wörtchen – eigentlich – nicht - wär

das würde sich schon finden. Hat es jetzt auch.Und jetzt bin ich glatt zu eitel um noch zu teilen.
Sonst bleibt eigentlich alles beim Alten,

wenn – das – Wörtchen – eigentlich – nicht - wär

bis auf den neuen Header, aber das habt ihr Schlitzohren sowieso schon alle längst bemerkt.
Das Werbung lügt und doof macht, fiel mir einmal wieder auf, als ich mit einer groß beworbenen Flasche Syoss Haarspülung für fast fünf Euro unter der Dusche stand und feststellen musste, dass der gewünschte Supereffekt und die damit verbundene Begeisterung gänzlich ausblieb.
Geld was nicht mehr drin ist im Portemonnaie, kommt auch nicht wieder rein, sagt der beste Freund.
Aber einmal muss ich mich dem frohlockenden Werbewahnsinn noch hingeben.

Aperol hat meine Neugier geweckt.

Wird dieses Wochenende gleich ausprobiert.
Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen.

Emily rockt


Während ich mich an einem dieser trüben Regentage aufs Sofa kuschelte, um mich ganz der Tintenherz - Trilogie hinzugeben, wurde ich ganz unerwartet mit Emily Dickinson bekannt gemacht.
Nein, Frau Dicksinson entstammt nicht der Tintenherz Geschichte.
Cornelia Funke hatte die Idee, ihre eigenen Kapitel passend mit Auszügen der Weltliteratur zu verzieren.

Hope is the thing with feathers
That perches in the soul,
And sings the tune without the words,
And never stops at all,
...

Auf diese Weise also, hat mir Emily Dickinson ihre Hand durch das Papier zur Bekanntmachung entgegen gestreckt, wie sich das nun wiederum auch gehört für die Tintengeschichten, in denen die Figuren aus den Seiten heraustreten können.

So haben wir uns ganz eigenwillig auf einen Tee zusammengefunden und ich erfuhr, da nun schrecklich neugierig geworden auf diese Person, von ihrem Leben. Dieser kleinen Welt, all die ganzen Jahre, zurückgezogen im Haus der Familie in Amherst Massachusetts.
Zwar fromm erzogen, überaus klug und doch sehr eingeschränkt durch physische und psychische Instabilität.
Emily, große Dichterin, deren Werke stilistisch vielfach ihrer Zeit voraus waren, zu sperrig und zu unverstanden. Kaum ein Gedicht erschliesst sich nach dem ersten Blick und manchmal auch später nur sehr schwer.
Ganze zehn Gedichte sind zu ihren Lebzeiten veröffentlicht worden.
Glücklicherweise sind nach ihrem Tod weitere erschienen, auch wenn an ihnen oft herumgebastelt wurde, um ihre Zeilen zugänglicher zu machen.

Leider macht es mir die englische Sprache hier wieder besonders schwer.
Die zahlreichen Bedeutungsebenen, die das Englische, zumal das Dickinsonsche, in täuschend einfachen und kurzen Formulierungen herstellen kann, sind im Deutschen kaum oder nur einfach andeutungsweise wiederzugeben.
Kluge Menschen haben sich an Übersetzungen gewagt und weil dies wohl keine leichte Angelegenheit ist, gibt es davon eine ganze Menge. Bis zu fünf Variationen für ein Gedicht.
Selbst in Muttersprache bleiben Emilys Worte sehr besonders.

Warum ich dennoch eine Narren an ihren Versen gefressen habe?
Weil ich gern ein bisschen Raum zur Interpretation habe und weil es mir wohl gefällt, wenn Beobachtungen und Dinge so weitreichend wie vieldeutig formuliert sind.
Vielleicht auch weil ihre Zeilen den notwendigen Platz lassen für eigene Überlegungen.
Sie geben mir die Möglichkeit ein bisschen darauf herumzukauen.
Emilys Gedichte haben eben einfach den richtigen Biss!

It’s-all-I-have-to-bring-today

It’s all I have to bring today –
This, and my heart beside –
This, and my heart, and all the fields –
And all the meadows wide –
Be sure you count – should I forget
Some one the sum could tell –
This, and my heart, and all the Bees
Which in the Clover dwell.

The-heart-asks-pleasure-first

The heart asks pleasure first
And then, excuse from pain-
And then, those little anodynes
That deaden suffering;
And then, to go to sleep;
And then, if it should be
The will of its Inquisitor,
The liberty to die.

Der mit dem M auf der Stirn


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Vorgestern war Katzengeburtstag. Das Schmusy ist drei geworden.
Drei Jahre, in denen das Katerchen mich mit seiner Anwesenheit beglückt und zugleich in der Lage ist, mir auch den letzten Nerv zu rauben.
Damals ist er als Findelkätzchen in einer Tierpflegestelle gelandet. Demzufolge ist sein genaues Geburtsdatum unbekannt. Ich habe es mir leicht gemacht und seinen Geburtstag auf den 9. August datiert, so kann ich ihn unmöglich vergessen.
Drei Jahre mussten also ordentlich gefeiert und gedankt werden. Dumm war nur, dass er gerade ein paar Tage zuvor, eine außerordentlich prächtige Kuscheldecke geschenkt bekommen hat, auf der er seither rund um die Uhr seinen Katzenhintern bettet. Zudem wurde blöderweise sein Gaumen in den letzten Monaten wieder mal sehr verwöhnt, so dass kein Fresserchen der noch so teuren Marke ihn dazu bewogen hätte, seine wunderschöne Kuscheldecke zu verlassen.
In der Tierhandlung habe ich dann aber doch noch etwas interessantes entdeckt: Katzenpudding.
Ich fand das irgendwie geburtstagstauglich.
Auf dem Heimweg fiel mir dann im Auto plötzlich ein alter Gassenhauer ein:
"Katzenklo, Katzenklo, ja das macht die Katze froh...."
Also U-turn und zurück in die Tierhandlung. Drei Jahre intensiver Toilettengebrauch, da ist eindeutig eine neue fällig gewesen und da ja nun MIR die Reinigung dieser sanitären Einrichtung obliegt, hat diese neue jetzt auch ein besonders schönes Design. Eine dunkelbraune Unterschale mit einem Dach in beige. Sozusagen der äußerliche Ausgleich für so einige Zumutungen, die dort drinnen stattfinden.
Ich persönlich hätte ja nichts dagegen gehabt, einige kleine Geburtstagsgäste seiner Spezies einzuladen, bin mir aber sicher, dass Paulino nichts von seinem Pudding abgegeben hätte.
Verwöhnte Einzelkatzen!

business as usual

Neulich sah ich in einem Geschäft, wie zwei Angestellte in einem Haufen von Bewerbungen blätterten und sich köstlich amüsierten.
Da kam mir die Idee, auch einmal eine Stellenausschreibung in der Zeitung aufzugeben.
Durchschnittlicher Job, durchschnittliche Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung.
Und dann erst einmal eine ganze Woche auf die eintrudelnden, ca. 150.000 Bewerbungen warten und diese ordentlich stapeln.
Überhaupt keinen einzigen Gedanken mehr daran verschwenden!
Nach dieser Woche ist dann auch erfolgreich vergessen, wer sich z.B. die Mühe gemacht hat und seine Mappe persönlich vorbei gebracht hat.
Wenn Laune und Wetter nicht so sonnig sind, ist es die rechte Zeit, um eine große Tasse Tee aufzubrühen und erwartungsvoll die erste – bereits leicht angestaubte – Bewerbungsmappe zu öffnen, in der Hoffnung auf einen amüsanten Nachmittag.
Zunächst einmal das Bewerbungsbild inspizieren und aus Prinzip schon mal die Nase rümpfen. Daraufhin in leichtes Kichern verfallen.
Dann mit ausgestrecktem Finger über die Lebensläufe huschen und feststellen, dass 90 % zu unqualifiziert sind und weitere 9% mindestens noch 5 Fortbildungen bräuchten, um in die engere Auswahl zu kommen.
Kopf schüttelnd die sozialen Kompetenzen überfliegen und hoffen, diesen Primaten niemals persönlich über den Weg zu laufen.
Sich abschließend überaus groß zeigen und stolzen 3 (in Worten Drei) Bewerbern die Chance geben, in einem Gespräch zu überzeugen.

Wie? So läuft das nicht?

Nein, selbstverständlich läuft das Bewerbungsprozedere nicht in allen Unternehmen auf diese Weise ab.
Ich wollte auch nur einmal nachempfinden wie es sich anfühlen muss, so auf der anderen Seite des Zauns.