" Hier gibts Rosenwasser: Juli 2013

Vom Loslassen- Teil 2

Das Kindelein so zart und fein,
wird bald in einer Krippe sein.
Doch ist das Mutterherze schwer,
liebt es das Kindlein doch so sehr.
Doch so ist der Lauf der Dinge
hoffen wir, dass es gelinge.

Der Countdown läuft.
In drei Tagen wird mein Mausekind ihr erstes Abenteuer antreten. Ihre ersten Schritte in eine kleine Selbstständigkeit,  wenn man so will. Die Eingewöhnungsphase in der Krippe beginnt.
Das Loslassen, da haben wir es wieder und mir scheint, das kann man gar nicht üben und irgendwann beherrschen, die Melancholie hat mich doch erwischt, ich bin nicht überrascht. Zu schön war die Zeit und ist so schnell….

Genug der Sentimentalitäten!

Wer zu sehr an Altem festhält und sich schwer tut mit der Zeit zu gehen, macht es sich bekanntlich selber nur schwer.
Also auf! Es ist die richtige Zeit. Ich bin dankbar und froh, dass ich klein Mause dabei begleiten darf wie sie sich in das Leben stürzt und bin sicher, sie wird das großartig machen. Sie wird ein sehr glückliches, kleines Menschenkindlein in der Krippe werden. Zum Glück haben wir noch ein paar gemeinsame Jahre, bevor sie auszieht...

Genug der Sentimentalitäten!

Liebe Nicole, Heike und Annika, hier sitzen wir nun wieder gemeinsam in einem Boot :-) Ich wünsche auch Euren Mausekindern einen prima Start in ihr erstes Abenteuer und denke dabei auch viel an Euch.


Vom Loslassen - Teil 1


Wer Leben ins Leben bringen will, 
muss das Festhalten-Wollen aufgeben.
[Ernst Ferstl]

Der Herzkater lässt mich immer wieder aufs Neue das Loslassen üben.
Lange Zeit war er ja ein Haustierchen. Seit er in der freien Natur wildern darf, entwickelt er sich täglich mehr und mehr zum artgerechten Räuber.
Die Vögel in diesem Örtchen haben nichts mehr zu lachen und Nachbars Kätzin benötigt wohl in Bälde eine Erholungskur, so wie dieser Frechdachs ihr zusetzt.
In den heimischen vier Wänden lässt er nach wie vor ganz und gar den Schmusi raushängen und so mag ich mir gar nicht vorstellen, was oder wen er dort draußen zerreißt und zerfleischt.
Jeden Abend jedoch beharre ich darauf, dass er den Weg brav nach Hause einschlägt und ruhiges Einschlummern ist mir erst dann möglich, wenn alle Schäfchen wieder da sind.
Aber nun. Die Katz ist eine Katz. Und es kommt vor, dass sie sich um meine Bedürfnisse einen feuchten Kehricht schert und ganze Nächte lang unterwegs ist.
Ihn dann erneut ziehen zu lassen, das fällt mir manches mal nicht leicht.
Da ist immer die Sorge und die Erfahrung, dass der große Räuber ein ebenso großes Trottelchen sein kann und die Hürden dieser Welt nicht richtig abzuschätzen weiß.

Wenn ich also wieder einmal mit mir hadere, stelle ich mir vor ein Gespräch mit ihm zu führen, das wie folgt ablaufen würde:

Ich: "Liebes Paulchen, komm doch mal bitte kurz zu mir, ich muss dir da mal etwas sagen."
Paulchen: (schon an der Katzenklappe scharrend) "schnell, schnell, raus raus..."

Ich: "Du kannst dich jeden Tag aufs Neue entscheiden.
Bevor du das aber tust, überlege bitte genau.
Zum Einen hast du nun die Möglichkeit dort draußen umherzustreifen.
Allerdings gehen damit viele Gefahren einher, vor denen ich dich nicht beschützen kann. Vor faulen Mäusen. Zufallenden Garagentoren, tückischen und lebensgefährlichen Autos und Menschen, die dir nichts gutes wollen.
All diesen Gefährdungen wirst du dich da draußen immer wieder aussetzen müssen und womöglich endet ein kleiner, netter Ausflug mal wieder in der Tierklinik.

Zum Anderen könntest du hier im trauten, kuscheligen Heime aufgehoben und sicher deinem Katzenleben  frönen. Bei bestem Futter und unzähligen Streicheleinheiten hättest du vermutlich ein längeres Leben bei bester Gesundheit. Du könntest deinen Katzenhintern gemütlichst auf das Sofa betten, während wir dich zum Zeitvertreib bespaßen und..."

... und bevor ich meinen letzen Satz ausgesprochen hätte, würden die kleinen, flinken Pfötchen die Treppe zum Garten hinunter schnellen und mit einem beherzten Satz wäre er hinter der nächsten Hecke verschwunden.

So übe ich also das Loslassen und bin guter Dinge. Nicht zuletzt in der Hoffnung, dass es mir auch zugute kommen wird, wenn das Mausekind in wenigen Tagen das Abenteuer Krippe antritt.



Diese Mutter hat keine Tomaten auf den Augen

Oder aber: Lila und blau trägt Kaspers Frau.

Berlin. Du meine Heimat, du urbanes, altes Pflaster.
Welten liegen zwischen Dir und unserer beschaulichen Kleinstadtidylle.
Unterschiedlich tickende Uhren. Bei Dir läuft alles schneller.
Der Zeitgeist rast unaufhaltsam.
Wem es nicht einmal auf dem Land gelingt die Zeit ein kleines bisschen anzuhalten, dem wird es in Berlin noch weniger gelingen.
Ein Trend dort jagt den nächsten und was heute dort angesagt ist, erreicht uns Landeier gefühlt erst ein Jahr später.
Das ist der Lauf der Dinge. Ein Lauf den ich nicht geändert haben möchte.

Die Kinder aus dem Prenzlauer Berg sind bunt. In farbenfroher, fröhlicher Kleidung stürmen und erobern sie die Spielplätze. Davon reiht sich alle 200m einer an den nächsten.
Die Stoffe der Kleidung sind weich.
Alle Schnitte scheinen irre bequem.
Mustermix wird hier ganz groß geschrieben.
Nichts scheint auf den ersten Blick zueinander zu passen, der lila Apfel und das orange Karomuster. Streifen. Punkte. Alles wild durcheinander.
Ansässige Läden bieten diese schöne Kindermode derzeit zuhauf an.
Duns Sweden und Småfolk beispielsweise: aus reiner Biobaumwolle versteht sich.
In Sachen Kinderbekleidung scheinen die Nordeuropäer derzeit die Nase weit vorn zu haben. 
Wer kein fertiges Kleidungsstück erwerben möchte, der näht selbst. Genauso kunterbunt und wild. Logisch.
Ein hübscher Modetrend!
Dennoch: Alles ist und bleibt am Ende reine Geschmackssache.

Hier zu Lande zieht man Kleinkinder bereits an wie kleine Erwachsene.
Jeans. Dazu halt ein Shirt und darüber einen kleinen Cardigan. So in etwa.
Grau zu blau. Rosa zu weiss.
Minigürtel in die Hose und fertig. Da sitzt und passt alles. Und was nicht stimmt wird schnell passend gemacht.
"Nee. Da kannste doch nicht diese Mütze zum Kleidchen aufsetzen. Hol mal ne andere. Das passt doch gar nicht".
Nanu. Wer sagt denn bitte dass das nicht zusammen passt?
Wir unseren Kindern. Und auch damit erziehen wir sie täglich ein kleines Stück weit. Wir beeinflussen nämlich schon ihren Geschmack. Die Kreativität. Die Möglichkeiten.

Lassen wir sie doch einfach mal im Elfenkostüm in die Kita marschieren.
Lassen wir sie doch einfach mal  in der Kleidung, welche sie sich selbst ausgesucht haben.
Wer bitte meint, dass sich da etwas nicht schickt? Zum Teufel mit den ganzen Modegesetzen, welche wir Erwachsene uns im Laufe des Lebens angeeignet haben.
Geben wir unseren Kindern doch die Möglichkeit auch einmal bunt sein zu dürfen.

Letztendlich passt doch immer alles zusammen. Die Frage ist nur für wen.