" Hier gibts Rosenwasser: 2014

Lass mich (nicht) los

Mausekind in der Trotzphase.
Oder wie es heutzutage richtig heißt, in der Autonomiephase.
Anstatt das Kind in ein Paket zu stopfen und es ab zum Mond oder wahlweise zu nervenstarken Verwandten  zu schicken, soll man ja die Ruhe bewahren und mit so einem Halblächeln stolz auf den Nachwuchs blicken, dieser macht nämlich gerade die spektakuläre Erkenntnis, dass die Durchsetzung des eigenen Willens die Voraussetzung für das Erreichen bestimmter Dinge sein kann.
Ich würde es eher so beschreiben: die Synapsen fahren Karussell. Und die Laune mit.

Weihnachtsmann zum Kind: "Na? Was hast du dieses Jahr alles schönes gemacht?"
Kind zum Weihnachtsmann: "Gespielt, gelacht, getobt. Und Mama gehauen."

In diesem Sinne liebe LeserInnen, lächeln auch Sie das Eine oder Andere einfach mal weg.

Ein schönes, neues Jahr wünscht Familie Mausekind.



Du auf Deiner Wolke

In zwölf Tagen ist Samhain.
In der Nacht zum ersten November stehen die Tore zur Anderswelt offen und eine Kontaktaufnahme zwischen der Geisterwelt und der realen Welt ist möglich.
Die Samhain Nacht gilt auch als die Nacht der Begegnungen zwischen den Lebendigen und den Toten.
Für Dich werde ich das Fenster offen halten, damit Du zu uns kommen und mit uns feiern kannst.

In Liebe Deine Tochter

Familie Kopffüßler

Gestern hat das Mausekind unsere Familie porträtiert. Letzte Woche malte sie zu meiner Überraschung ganz plötzlich die ersten Gesichter. Und eine Woche später haben die Gesichter einen Kopf mit Haaren, Armen und Beinen.
Schaut uns ziemlich ähnlich das Ganze :-)



Ein Kindersommer

inklusive drei Wochen Sommerferien.

Just for me moments 30/2014

Momente nur für sich zu finden, das ist für eine Mama nicht immer leicht.
Sie fühlt sich immer und überall mit der Familie verbunden und eingebunden.
Das ist kein Wunder, schlagen in ihrer Brust ja auch mehrere Herzen.
Damit Mama aber auf Dauer ausgeglichen und zufrieden sein kann, benötigt sie Momente für sich ganz alleine.
Für mich kommt es dabei weniger auf die Länge und Menge der Aktivitäten an.
Ich lege den Schwerpunkt mehr auf das aufkommende Bewusstsein und das Gefühl: Das hier mache ich gerade für mich. Das geniesse ich. Das macht mich froh.

Mamamiez hat die "Just for me moments" ins Leben gerufen und eingeladen, einmal die Woche solche Momente zu teilen.
Um sich auszutauschen, Anregungen zu geben oder einfach nur um sich bewusst solche Momente vor Augen zu führen.
Meiner JFMM war diese Woche kurz aber wunderbar.
Nachdem das Mausekind eingeschlummert war, besuchte ich ein wunderschönes Sonnenblumenfeld, nur wenige Kilometer von unserem Zuhause entfernt.
Ich stand bis zum Hals in all den Sonnenblumen. Die Sonne ging gerade unter und tauchte die prächtigen Blüten in goldenes Licht. Zudem hatte es gerade geregnet. Der Duft und die feuchten Regentropfen, welche an meiner Kleidung und Haut hängen blieben, waren herrlich erfrischend.
Ich nahm ein paar Blumen mit nach Hause, wo sie mich noch ein Weilchen an diesen schönen Moment erinnern werden.
Das nächste Mal muss ich das Mausekind dann aber doch mitnehmen.


Über das Schlafverhalten unseres Kindes


Zweieinhalb Jahre lang haben wir unser Kind in den Schlaf begleitet.
Da ich eine sehr schlechte Ein,- und Durchschläferin bin, war es mir von Anfang an sehr wichtig, gerade beim Einschlafprozeß dem Kind soviel Geborgenheit und Urvertrauen wie möglich und notwendig zu geben, denn gut Einschlafen zu können, das zahlt sich ein Leben lang aus.
So haben wir viele Nächte streichelnd, singend, zuhörend und zur Ruhe ermahnend neben ihr gelegen. Manchmal mussten wir uns abwechseln, manchmal sind wir gleich mit eingeschlafen.
Ich sage nicht, dass es immer einfach war. Gerade wenn sich der Einschlafprozeß ins Unendliche hinaus zögerte, dachte ich an viele Mütter, die ihre Kinder einfach ablegen können und diese dann promt einschlafen. Bestimmt sind wir auch belächelt worden.
Aber jedes Kind ist anders. Und Eltern sind auch anders.
Schon früh zeigte das Mausekind auf, dass es vor dem Einschlafen noch so einiges verarbeiten muss. War der Tag besonders erlebnisreich oder anstrengend, war sie nicht erschöpft wie viele andere Kinder,- sondern zappelig und aufgedreht.
Schnell begriffen wir, dass Hörspiele oder Lichtspiele zum Einschlafen nicht das rechte Mittel sind um die notwendige, innere Ruhe herzustellen.
Neben festen Ritualen und einem ruhigen Abendverlauf, findet das Kind schon immer - und auch heute am besten in einem ruhigen und abgedunkelten Raum zur Ruhe.
Zwar gab es dann noch immer einiges was bequasselt und besungen werden musste, aber was raus musste, musste dann noch raus. Das dauerte eben so lange wie es dauerte.

Wie also bereits schon erwähnt, seit zweieinhalb Jahren haben wir unser Kind zur Ruhe und in den Schlaf begleitet.
Nie und wirklich zu keiner Zeit, haben wir mit dem Gedanken gespielt Einschlafprogramme wie "Ferbern und Co" anzuwenden. Ich möchte diese Möglichkeit gar nicht verteufeln. Nur hat es einfach nicht zu uns gepasst. Dazu hat unser Bauchgefühl stets nein gesagt.
Wir haben lieber gewartet bis sie einfach von alleine soweit ist, darauf dass es sich ergibt, ganz ohne Geschrei oder weinen oder wimmern. Wir haben uns aus Liebe und Überzeugung immer gern neben unser Kind gelegt.

Nun, wie es bei  Kindern oftmals der Fall ist, geht schleichend und ohne Zutun, ohne Druck und Hektik ein kleines Kapitel für uns alle zu Ende. Seit über einer Woche schläft das kleine Mausekind nämlich guter Dinge alleine in ihrem Bettchen ein. Winkt mir zu, sagt "bis gleich" und während man sie nebenan noch singen und erzählen hören kann, bin ich ein kleines bisschen stolz auf uns alle drei und ertappe mich dabei, wie ich schon wieder denke: "Hach, was war das noch schön, als ich mich immer neben sie legen musste."

Klitzekleines DIY und ein Bruder

Eine schöne Idee für jedes Kinderzimmer ist ein Stoffrestebildchen.
Es kann so individuell gestaltet werden, wie Kind und Zimmer sind. Stoffreste zurecht schneiden, aufkleben, Rahmen rum, Nagel rein. Fertig.

Unten auf dem Foto hat sich übrigens Teddy Bruno mit ins Bild geschlichen. Obwohl das Mausekind schon sehr deutlich und gut spricht, kam ihr der Name "Bruno" etwas holperig über die Lippen. So wurde nach kurzer Zeit aus Teddy Bruno -> Teddy Bruder.
Teddy Bruder wurde kurzerhand zu Bruder Teddy umgedreht.
Und heute wird er nur noch kurz und knapp "Bruder" gerufen.
Tja, so schnell hat man zwei Kinder im Haus.



Im Portrait: Birgit mit Lukas

Nach längerer Zeit habe ich einmal wieder ein paar Bilderchen gemacht, die nicht mein Kind zeigen. Allerdings ist auch hier ein Kind mit am Start. Vor ihrer Schwangerschaft lächelte Birgit hier schon einmal in meine Kamera. Nun ist sie in der 34. Schwangerschaftswoche. Wir haben das Ganze daher ganz bequem und gemütlich gestaltet, denn nichts ist unangenehmer, als wenn man mit dickem Bäuchlein noch umständlich posieren muss.





[Ausdrücklicher Hinweis: die Rechte dieser Bilder liegen bei mir!]

Kinderspuren

Anna und ich zeigen heute wieder ein sonntägliches Foto voller Entdeckungen, Errungenschaften, Kreativität und Geschichten. Spuren von großen Gedanken durch winzige Hände.




Kostümfavorit 2014

Unsere Mause ist noch etwas zu klein um das ganze Faschingstreiben in allen Facetten zu begreifen. Daher gibt es dieses Jahr noch keine umfangreiche Verkleidung.
Trotzdem stürzen wir uns so ein bisschen in den Kamellen-Trubel. Das gibt mir die Gelegenheit, mich ganz entspannt umzuschauen, mich inspirieren zu lassen und mich langsam auf den bevorstehenden Verkleidungswahnsinn in den kommenden Jahren einzustellen.
Schon Tage zuvor war die Kostümabteilung im Spielwarengeschäft auf ein Minimum geschrumpft, fast alle überteuerten Plastik und Styroporkostüme ausverkauft und auch das letzte Zubehör fand noch einen kleinen Karnevalsjecken. Und während dieser noch im selben Geschäft begeistert seine neu erstandene Plastik-Hexennase aufsetzt, macht es eine ihm über den Weg laufende Dame auch gleich wieder madig, indem sie sich mahnend an die Eltern wendet:
"Wissen Sie denn nicht, wiiieee viieell Giftstoffe das Kind damit einatmet, schwer gesundheitsschädigend sei das.." und so weiter und sofort, woraufhin der Vater gelassen abwinkt (dann liegt das Kind eben, wat soll's).
Zwischen den ganzen Plastiknasen und Polyesterkleidchen tummeln sich dann aber auch ein paar kreative Kreationen und ein paar gänzlich Unverkleidete, die trotzdem Preise abstauben wollen.
Doch nicht immer muss ein Faschingskostüm mit viel Aufwand verbunden sein. Das zeigt eindeutig mein Kostümfavorit 2014.
Immer wieder fällt mir das tanzende Mädchen in einem zu weiten, mausgrauen, etwas biederen Kleid auf, möglicherweise C&A Sortiment aus den letzten Jahren, mit passendem Bolerojäckchen. Dass ihre Füße in der braunen Feinstrumpfhose auf dem kalten Turnhallenboden weder Halt noch Wärme verspüren scheint sie nicht zu stören. Sie strahlt und schenkt ihrer Freundin eine Tüte Popcorn.
Hätte ich sie gefragt: "Als was gehst du?", wäre ihre Antwort ganz sicher gewesen: " Na als meine Mama natürlich!"
Sowas von bezaubernd.










a portrait of my child


Mausekind bittet zum Kränzchen

Das Mausekind bittet ihre kleinen Freundinnen zum frühlingshaften Kaffeekränzchen.
Mutti steuert das Gebäck bei und gibt zu, dass die Proportionen auf dem Tischchen vielleicht etwas an "Alice im Wunderland" erinnern.

Für alle die gern filzen, die Muffins sind kinderleicht. Ein bisschen Trockenfilzen auf einer Styroporkugel, die ich unten gerade geschnitten habe. Das entspannt herrlich und man spart sich so manches Voodoopüppchen ;-)





Easy-peasy DIY

Ich bin ja nicht so die Basteluschi.
Diese Fensterbildermalerei ist auch nicht mein Ding. Alles reine Geschmackssache. Ein bisschen Fensterschmuck im Mausezimmer find ich allerdings ganz schön und jetzt wo der Frühling in den Startlöchern steht, darf diese schön farbenfroh sein.
Also hat sich der Bastelmuffel hingesetzt und in nur knapp 40 Minuten ein blumiges Mobiles gebastelt.
Alles was Ihr dafür braucht sind:

- farbiges Transparentpapier
- Schere (mit einem großen Motivlocher geht das Ganze noch viel, viel schneller)
- Faden und Tesa

Blümchen mit dem Locher ausstanzen. Ich habe jede einzelne ausgeschnitten, leider ist mein Motivlocher zu klein. Diese mit Tesa an einen Faden kleben und das Ganze um ein Stück Treibholz wickeln.

Schimmert toll in der Sonne und tanzt mit jedem Luftzug.


Prost Leitungswasser

Die Anne aus Berlin trinkt seit langem nur noch Leitungswasser. 
Mittlerweile schmeckt ihr anderes Wasser gar nicht mehr so gut und Wasserflaschen werden nur noch besorgt, wenn Besuch ansteht, sagt sie.
Auch Tim Pritlove äußerte sich pro Leitungswasser in einer seiner Podcastfolgen, indem er sinngemäß meinte, er könne nicht ganz nachvollziehen, wie man Wasser aus Plastikflaschen konsumiert, wenn es in diesem Land jederzeit trinkbares Wasser umsonst aus dem Hahn gibt.
Alles richtig findet die Mausekindfamilie und da auch wir schon länger das Kranwasser bevorzugen, habe ich vor kurzem einmal den Bleigehalt in unserem Trinkwasser untersuchen lassen. Wenn wir schon so viele Liter davon zu uns nehmen, möchte ich lieber etwas genauer wissen, was ich dem Mausekind ständig abfülle.
Nach kurzer Zeit war das Ergebnis vom Gesundheitsamt bereits da und bescheinigte: die Rohre in dem alten Kasten sind in Ordnung.

Also können wir jetzt sorglos und voller Freude die schöne Karaffe auffüllen, die ich bereits letztes Jahr geschenkt bekam. Die ist sehr praktisch, denn steht sie gefüllt auf dem Tisch wird automatisch mehr getrunken, als immer wieder neu zum Wasserhahn zu trotten um das Glas neu zu füllen. Zudem ist sie auch noch sehr hübsch, wie ich finde.
Dem Plastikwahnsinn den Kampf ansagen: auch in Form einer neuen Trinkflasche für das Kind. 
Die klean kanteen Trinkflasche ist aus Edelstahl und kommt beim Kind sehr gut an. 

Prost Leitungswasser!






Kinderspuren

Ein sonntägliches Foto voller Entdeckungen, Errungenschaften, Kreativität und Geschichten. 
Spuren von großen Gedanken durch winzige Hände.
Eine superschöne Idee von Eltern vom Mars.

Grenzenlos und popelfrei


Die unerträgliche Leichtigkeit des Jugendamts…

Vor einigen Jahren kam ich neu in unsere Kita, mit Abschluss der Weiterbildung als
frischgebackene „Facherzieherin für Integration / Inklusion“. Meine Aufgabe ist es demnach,
mich besonders um Kinder mit sogenanntem „erhöhtem“ oder „wesentlich erhöhtem
Förderbedarf“ zu kümmern (so schimpft sich das laut Gesetz). Drei meiner KollegInnen
waren schon seit Jahren in dieser Kita und in dieser Jobposition, sie waren darin „alte Hasen“.

Als es dazu kam, die Zuständigkeit für die Kinder neu unter uns aufzuteilen, baten sie mich,
ein Mädchen zu übernehmen, das bereits seit 4 ½ Jahren in unserer Kita war. Sie war nun
6 Jahre alt, aufgrund ihrer Entwicklung von der Schulpflicht zurückgestellt und würde also
ein weiteres Jahr in unserer Kita verbringen. Dazu muss gesagt werden, wenn ein Kind
von der Schulpflicht zurückgestellt ist, hat es Kitapflicht, muss also regelmäßig in die Kita
kommen. Denn die Schulrückstellung wird vom Schulamt nur bewilligt, wenn das Kind nach
einem speziellen Förderplan, den die Kita dort vorlegen muss, während dieses Jahres bei der
Erlangung der Schulreife weiterhin adäquat unterstützt wird.

„Die Zusammenarbeit mit den Eltern gestaltet sich so schwierig“, sagten meine
Kollegen. „Wir haben alles Mögliche und Unmögliche ausprobiert und wissen nicht
weiter. Das was wir in Zukunft machen müssten, wäre zu überlegen, ob es sich um einen
Kinderschutzfall handelt. Willst du dein Glück aber erstmal noch bei den Eltern versuchen?
Manchmal hilft ja so ein bisschen frischer Wind schon….“
Dem Zauber des Neuen vertrauend war ich total motiviert und sagte zu. Nicht, dass ich mir
zugetraut hätte, etwas zu schaffen oder gar besser zu machen, was meinen Kollegen solche
Schwierigkeiten bereitete, doch denke ich immer erst einmal positiv und gebe nicht so leicht
auf.
Ich ließ mich also von meinen KollegInnen einweihen, worum es ging und was bisher
geschah und nahm mir anschließend einige Wochen Zeit, Eltern und Kind erst einmal kennen
zu lernen. Bei den Eltern stellte ich mich als neue Bezugserzieherin vor, führte Tür- und
Angelgespräche und bot jederzeit Gespräche oder Hilfe an, wenn Bedarf bestünde.

Mit dem Kind, Marie-Luise, verbrachte ich viel Zeit. Das Mädchen kam regelmäßig erst
gegen 11 Uhr in die Kita (Bringzeit ist bei uns bis 9.30 Uhr, zum Morgenkreis), wirkte sehr
müde, ungewaschen, verwahrlost, dem Wetter unangemessen gekleidet, ausgehungert und
roch unangenehm, was auch den anderen Kindern bereits auffiel. Sie benahm sich sozial
emotional ziemlich auffällig und zeigte auch häufig eindeutig sexualisiertes Verhalten, was
eine Warnung sein sollte.
Ich bat meine Kollegen, noch einmal gemeinsam mit mir Beobachtungen anzustellen und
auszuwerten, damit ich die Eltern zu einem Gespräch einladen konnte.

Gesagt, getan. Der Vater erschien zum Gespräch. Seine Frau wolle mit dem Baby zuhause
bleiben, teilte er mit. Ok. Zunächst berichtete ich von unseren Beobachtungen, dass Marie-
Luise bereits diese und jene Entwicklungsfortschritte gemacht hatte. Dies freue uns. In
anderen Bereichen könne man ihr, auch im Hinblick auf die Schule, noch Unterstützung
geben. Dafür haben wir dies und jenes in einem Förderplan zusammengefasst, usw. Soweit
so gut. Der Vater war einverstanden.
Nun kam der Teil, der mir immer sehr unangenehm ist und mir bis heute noch in solch
einem Fall jedes mal schwer über die Lippen kommt: „Herr XY, wie meine Kollegen in der
Vergangenheit mit Ihnen besprochen haben, müssen wir uns auch noch einmal Marie-
Luises Allgemeinzustand anschauen. Soweit ich weiß, baten die Kollegen Sie, sie bis 9.30 Uhr in die Kita zu bringen, damit sie am Morgenkreis teilnehmen kann. Dort finden wichtige
Gruppengeschehnisse und anschließend Förderangebote statt. Marie-Luise klagt außerdem
jeden Tag über großen Hunger, wenn sie in die Kita kommt. Es besteht die Möglichkeit,
sie um 8.00 Uhr zu bringen, dann kann sie bis 9.00 Uhr noch in Ruhe zusammen mit den
anderen Kindern frühstücken.“
„Zuhause hat sie keinen Hunger. Und sie will ausschlafen. Sie steht dann einfach nicht auf.
Meine Frau und ich sind auch kaputt, wenn wir das Baby nachts versorgt haben.“ (Beide
Eltern arbeiten nicht und sind zuhause).
„Ok, das verstehe ich. Doch wirkt sie hier trotz des Ausschlafens noch sehr müde. Sie sieht
dann blass und nicht glücklich aus und klagt über großen Hunger. Vielleicht könnten Sie sie
daran gewöhnen, etwas früher aufzustehen und wenigstens eine Kleinigkeit zu frühstücken?"
“Nein, macht sie nicht.“
„Sie hat doch ältere Geschwister, die zur Schule müssen. Wie machen die das denn? Könnte
Marie-Luise nicht vielleicht mit ihnen zusammen aufstehen? Im Hinblick auf die Schule wäre
es auch wichtig, mit ihr zu üben, sich etwas früher fertig zu machen, denn die Schule beginnt
ja um 8.00 Uhr.“
„Die Kinder machen das morgens alleine, mal sehen.“„Und was uns noch wichtig wäre, könnten Sie bitte darauf achten, dass Marie-Luise wettergerechte Kleidung an hat?“ – Das Mädchen hatte im Winter oft kurze Hosen und im Sommer Winterstiefel an.
„Sie will selber aussuchen.“ „Gut, dann bieten Sie ihr doch beispielsweise zwei Winterhosen
und Pullis, bzw. im Sommer zwei mal leichte Kleidung zur Auswahl an.“

Das Gespräch setzte sich noch ein wenig fort, ohne dass ich den Eindruck hatte, der Vater
verstünde mein Anliegen. In den kommenden Wochen kam Marie-Luise ab und an gegen
9.00 oder halb 10.00 Uhr in die Kita, mit Pudding oder einem Kinder Pingui als Frühstück. Die
Eltern nahmen sich offensichtlich unseren Rat zu Herzen. Es riss jedoch schnell wieder ein,
dass Marie-Luise gegen 11.00 Uhr und ohne Frühstück kam. Stattdessen war sie geschminkt
und in hohen Schuhen (es gibt für kleine Kinder tatsächlich hohe Schuhe zu kaufen!), jedoch
ungewaschen und verwahrlost wie eh und je. Eine Kollegin, die in Kita-Nähe wohnte, traf
Marie-Luise am späten Abend immer häufiger ohne Eltern auf der Straße an. In den Ferien
wurde sie von ihren älteren Geschwistern zur Kita gebracht, ebenfalls gegen 11.00 Uhr, mit
dem Hinweis, Mama und Papa schliefen noch. Die 10-jährige musste sich beeilen, da sie
eine schwere Stoffwechselerkrankung hatte und zur regelmäßigen Routineuntersuchung ins
Krankenhaus gehen musste – allein. Auch sie hatte Süßigkeiten zum Frühstück mit dabei.

Ich beriet mich mit den Kollegen und dem Leiter. Diese waren der Ansicht, es sei an der Zeit,
noch ein Gespräch zu führen, all diese Dinge und auch Marie-Luises sexualisiertes Verhalten
darin anzusprechen und den Eltern mitzuteilen, dass wir eine Kindswohlgefährdung sehen
und ggf. eine Meldung an das Jugendamt machen müssten. Dies ist in so einem Fall unsere
gesetzliche Pflicht.

Marie-Luises ältere, an Diabetes erkrankte Schwester, hatte bereits einen Familienhelfer von
der „Behindertenhilfe“ des Jugendamts für eine gewisse Zeit bestellt bekommen. Ich lud also
die Eltern ein, die den Familienhelfer gleich mitbrachten. So vorsichtig wie möglich und so
deutlich wie nötig sprach ich all diese Dinge an. Vonseiten der Eltern und des Familienhelfers
erntete ich überwiegend Unverständnis, Ausreden und ein Abstreiten der gesagten Dinge.
Sie verloren sich in Ausflüchten und teilten mir mit: „Ich hab dir doch neulich schon gesagt…“
Ich daraufhin: „Dann müssen wir noch einmal ein Gespräch mit unserer Leitung und dem
Träger führen und dem Jugendamt eine Meldung geben.“

An dieser Stelle war für den Vater Schluss mit lustig. Er beschimpfte mich, ich sei
diskriminierend, weil die Familie Hartz IV bezöge und ich mich für etwas Besseres halte,
ich sei Ihnen gegenüber nur feindlich eingestellt, meine Behauptungen stimmten alle
nicht, ich sei die erste, die so etwas behaupte, meine Kollegen seien viel netter und besser
gewesen, usw. Er wurde immer lauter, schrie, tobte und drohte mir persönlich schließlich.
Ich versuchte, das Gespräch wieder irgendwie in andere Bahnen zu lenken, doch ohne
Erfolg, und holte schließlich unseren Leiter dazu. Der war zwar auch nicht begeistert von
der Situation, äußerte jedoch, es sei ihm egal, dass der Mann schrie und tobte, der meine
es nicht ernst und würde sich auch wieder beruhigen. Meinen Hinweis, dass es mir damit
als „Sündenbock“ ganz anders erging, überhörte er.

In den vergangenen Wochen wurde auch für Marie-Luise vom Jugendamt eine
Familienhelferin bestellt, die, um es kurz zu machen, sich in etwa genauso benahm wie die
Eltern. An Marie-Luises Verfassung änderte sich nichts.
Wir sollten dem Jugendamt in regelmäßigen Abständen melden, ob sich etwas
gebessert habe. Dies tat ich. Nach einer Weile lud man uns alle ins Jugendamt zu
einer „Helferkonferenz“ ein. Mittlerweile gestaltete es sich noch schwieriger, mit den Eltern
in alltäglichen Situationen ins Gespräch zu gehen.
Während der Helferkonferenz wurden noch einmal alle Sichtweisen der Beteiligten
dargelegt. Ich erhoffte mir Hilfe und Unterstützung, machte mir mittlerweile wirklich Sorgen
um Marie-Luise und ihre Zukunft.
Die beiden Mitarbeiterinnen des Jugendamtes jedoch teilten uns sehr deutlich mit, dass man
der Kita gegenüber nun endgültig einmal einen Schlussstrich ziehen müsse. Die Familie habe
schließlich Familienhelfer, die sich sehr qualifiziert um alles kümmerten. Wir neigten mit
unseren Aussagen wohl eindeutig zu Übertreibungen. Dass in dieser Familie die Kinder das
Sagen hätten, sei seit langem durch die älteren Geschwister bekannt. Dies sei auch völlig in
Ordnung und würde sich „verwachsen“. Schließlich kämen die Geschwister in der Schule ja
auch klar. Dass die Kinder bis nachts um 2 Uhr Schmuddelfilmchen im Fernsehen schauten,
sei auch ok. Und das Jugendamt bitte uns dringend, ihnen keine weiteren Meldungen
über Familie XY zukommen zu lassen. Es ginge schon alles seinen geordneten Gang. Auf
Wiedersehen!!!

Leider erleben wir ähnliche Geschichten häufiger und fragen uns, was muss eigentlich
passieren, damit das Jugendamt es ernst nimmt? Liegt es am wenigen Personal, hat das
Jugendamt Angst vor den Eltern oder vor Imageverlust? Sehen sie täglich so krasse Fälle,
dass ihnen das noch zu harmlos ist? Oder was ist es sonst?
Wir fragen uns aber nicht mehr, wenn tote und misshandelte Kinder irgendwo aufgefunden
werden, warum so häufig in den Medien zu hören ist „ hat denn niemand von den Nachbarn
etwas gehört? Warum hat es denn keiner gemeldet?“ … Denn - vielleicht war es ja doch dort
bekannt gewesen…


Vorurteile jeglicher Herkunft und Couleur

Ich arbeite in einem Bezirk, in dem Familien verschiedenster Herkunft wohnen. Ich habe mir
das so ausgesucht, weil ich es interessant und bereichernd finde. Auch in meinem Freundes-
und Bekanntenkreis gibt es Leute, die selbst oder deren Eltern aus verschiedenen Ländern gekommen sind.
Unsere Kita hatte sich vor längerer Zeit um eine langfristige Fortbildung beworben, die
sich „Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in Kindertagesstätten“ nennt. Sie geht über
mehrere Monate, mit regelmäßig stattfindenden, mehrtägigen Modulen.
Den Grundgedanken dieser „gegen die Schieflage“ (so der Untertitel) –Fortbildung kannten
wir alle aus der Ausbildung und diversen Fortbildungen und waren der Meinung, es sei gut, diesen zu vertiefen und uns und unsere Arbeit immer einmal wieder zu reflektieren.
Was dann tatsächlich auf uns zukam, ahnten wir jedoch nicht…

In der Fortbildung (FoBi) herrschte ein strenger, fast militärischer Ton uns gegenüber. Man
sagte uns genau und sehr deutlich, wann wir zu lesen, zu schreiben und wann wir (keine)
Fragen zu stellen hatten oder zu verschiedenen Themen Stellung nehmen mussten – ja
MUSSTEN! Ansonsten, wenn es diese Zeit gerade nicht war, wurden wir rigide unterbrochen
und zurecht gewiesen. Wir alle mussten Beispiele aus unserem Arbeitsalltag berichten und
wurden in fast jedem Falle darauf hingewiesen, dass wir rassistisch und diskriminierend
handelten.
Dass man nicht mehr „Ausländer“, sondern „Mensch mit Migrationshintergrund“ sagt,
war uns allen klar (obwohl – auch dessen bin ich mir nicht mehr sicher). Auch essen wir
heutzutage selbstverständlich alle Schaumküsse und nichts anderes mehr.
Doch waren wir sehr verwundert, dass uns das Kaspertheater verboten wurde (zu brutal
– der Kasper und das Krokodil leben den Kindern ja Streit und Konflikte vor), Kinderlieder
und Kinderbücher, die wir für aktuell hielten, verboten wurden und es darüber hinaus
nicht als Interesse gewertet wird, wenn wir nach Inhalten bestimmter Kulturen fragen (z.B.
deren wichtige Feste, Geburtstagslieder in den Sprachen der Kinder usw.), sondern immer
Rassismus! Auch wenn ein dunkelhäutiges Kind aus der Kita Trost bei uns sucht, sich bei uns
anschmiegt oder auf den Schoß möchte, ist es rassistisch und diskriminierend, wenn wir
diesem Kind, wie jedem anderen Kind in so einem Fall auch, über den Kopf und den Rücken
streichen. Dieses Kind macht dann ja die Erfahrung, dass wir es, eventuell auch seine Haare
berühren und assoziiert damit sein „Anderssein“…

Tja, was soll ich sagen. Nach 3 Tagen waren wir richtig platt, nach mehreren Monaten noch
platter und stellten unsere gesamte bisherige pädagogische Arbeit aufs Ärgste in Frage.
Wir fühlten uns schuldig und die meisten schämten sich auch ihrer eigenen Herkunft.
Das Bemerkenswerteste daran jedoch war, dass bis heute derlei Einwände uns gegenüber
niemals von den Eltern kamen.
Dies alles ist nun schon einige Zeit her, doch bis heute hat sich uns nicht erschlossen, warum
beispielsweise Theorie und Praxis dieser FoBi, die da besagten, wir haben stets und ständig
allen Menschen mit Respekt, Achtung, Freundlichkeit und frei von Vorurteilen zu begegnen,
dort uns gegenüber nicht angewandt wurde …

Kinderspuren

Eine schöne Idee hatte die Anna:

Ein sonntägliches Foto voller Entdeckungen, Errungenschaften, Kreativität und Geschichten. 
Spuren von großen Gedanken durch winzige Hände.

 Hier ist er also, unser sonntäglicher Schnappschuss.



Püppis Schicksal

Darf ich vorstellen? Das ist Püppi.




Püppi hat keinen Namen, sie ist einfach nur Püppi.
Und so einfach wie man sie ruft, so einfach ist sie auch gestrickt. Sie kann weder essen, noch ausscheiden, nicht pupsen oder Bäuerchen machen. Sie kann auch nicht reden, lachen - kurz - sie ist nur ein Körper mit Gesicht.
Im Grunde ist es nicht einmal ein besonders hübsches Gesicht, finden wir Eltern.
Das mag im ersten Moment etwas traurig klingen, ist es aber nicht, denn Püppi ist eine ziemlich glückliche Püppi.
Aber beginnen wir von vorne.
Letztes Jahr im Sommer zog Püppi bei uns ein. Bis dahin wohnten hier nur zwei kleine Weichkörperpuppen, deren Körper immer wieder für Verwirrung und Ärgernis beim Mausekind sorgten. Man konnte sie einfach nicht ausziehen. Nicht nackig machen. Da war immer Stoff und kein Körper, so einen wie Mama, Papa und das Mausekind selbst ihn doch haben.
Mit Püppi zog zum Glück dann die ersehnte Freikörperkultur bei uns ein. Wenn sie gerade mal nicht an oder ausgezogen wurde, war Püppi nackt.
Im Nachhinein bin ich schon beeindruckt, wie robust Püppi ist.
Sie meisterte und überlebte die letzten acht Monate weitestgehend nackt. Sie saß nackt im Regen, nackt in Pfützen, nackt im Matsch.
Sie erlitt bis heute siebzig Schädelbasisbrüche, Wirbelsäulenfrakturen und diverse andere Knochenbrüche.
Sie aß kiloweise Sand, Steine und diverse Cremes und Salben.
Sie überlebte zwanzig Wannenbäder, bei denen sie stundenlang unter Wasser gedrückt wurde sowie zweihundert Spritzen in ihre Ohren und in den Kopf.
Nein, Püppi hat bisher nie geklagt, sich niemals beschwert oder das Weite gesucht.
Sie ist immer und überall mit dabei - wie am ersten Tag und wenn ich sie so betrachte, ihr versonnenes Lächeln sehe, dann verstehe ich es:

Genau dafür ist Püppi gemacht worden. Um heiß und innig geliebt zu werden, um Baby, Schwester und Freundin in Einem zu sein für ein kleines Mausekind. Püppis Schicksal hat sich also erfüllt.



Liebe ist...

einen tollen Mädelsabend nur mit sich allein zu veranstalten, wenn die Liebsten mal aus dem Haus sind.

Grenzenlos und popelfrei

In unserer Kita herrscht Zucht und Ordnung!!! Das gilt zumindest für die Erzieher. Wir ErzieherInnen 
sind immer nett und freundlich, fröhlich, bemüht, motiviert, stress- und lärmresistent, einfühlsam, flexibel, belastbar und zu allem bereit, angetan von allen kindlichen Taten, Äußerungen und Ausscheidungen, sowie stets vorurteilsfrei bei der Bildung und Erziehung der lieben Kleinen. Jedenfalls wird dies von uns erwartet.
Regelmäßig stattfindende Fort- und Weiterbildungen zu diesen Themen lassen uns stets auf neue, 
erfrischende Weise erkennen, was wir noch so alles falsch machen und anders machen müssen, um 
Eltern und Kindern keine weiteren Traumata zuzufügen und unsere so gar nicht wertschätzenden 
Kontakte zu unserer Klientel deutlich zu überarbeiten

Hier ein paar Beispiele aus der Praxis: 

Frau Meier (alle Namen geändert, Anm.d.Red.) ist eine sehr besorgte Mutter, die ihre Kinder aus Überzeugung demokratisch erzieht. So entscheidet denn auch der 4-jährige 
Michael über alle wesentlichen Belange, die ihn und sein Leben betreffen. Frau Meier 
diskutiert stets ausführlich mit ihm, was er anziehen möchte, wann er abgeholt werden 
möchte, ob er 3 Stufen der Treppe links, 3 Stufen der Treppe rechts und die nächsten Stufen 
dann wieder links hinuntergehen möchte, oder – was in letzter Zeit häufiger vorkommt – ob 
er gar nicht gehen möchte. Seine Motive werden sorgfältig ergründet und seine Argumente 
evaluiert. 
Wenn Michael, verzweifelt nach Orientierung suchend, Schreikrämpfe und Wutanfälle 
bekommt und auf alle Anwesenden körperlich losgeht, spricht Frau Meier mit sanftem 
Stimmchen beruhigend auf ihn ein. In der Regel dauert dieses Zeremoniell beim Abholen 
eine Dreiviertelstunde. In letzter Zeit überzeugte Michael seine Mutter jedoch immer 
häufiger, dass er länger in der Kita bleiben wolle und sie später wiederkommen solle. Dies 
wiederholte sich auch heute noch 2 Mal. Beim 3. Mal jedoch - eine Zumutung für Eltern, 
dass Kitas Schließzeiten haben! – war es nun an Frau Meier, Michael zu überzeugen. Alles 
sanfte Umschmeicheln mit Versprechungen, die leckere Ökoschokolade oder das tolle 
Holzxylophon heute noch zu kaufen, ihm rosa Nagellack aufzutragen, damit der Junge seine 
Geschlechterrolle frei und ohne Dogmen entfalten konnte, usw. halfen nichts. Michael 
wollte nicht. Das hatte man zu akzeptieren. 
„War denn heute was? Hat ihn jemand geärgert?“ fragte Frau Meier besorgt die 
Erzieherin. „Nein, eigentlich nichts Besonderes. Michael hatte sich vorhin mit Torsten
gestritten und ihn mehrfach gehauen. Aber das haben wir schon mit den beiden geklärt.“
„Hm.“ Und an Michael gewandt: „Sag doch, Liebling, wer hat dir denn etwas getan?“ Michael 
reagierte nicht. Er rannte weiter durch die Kita, brüllend, die Kinder schubsend und mit 
heruntergelassener Hose. Frau Meier lief seit 40 Minuten hinter ihm her, in Hut und Mantel, das jüngere Geschwisterkind auf dem Arm. 
„Frau Meier, ich möchte an unser Elterngespräch von neulich erinnern. Es wäre wirklich
wichtig, dass Sie Michael gegenüber deutlich machen, dass Sie jetzt mit ihm gehen möchten. 
Soll ich ihm vielleicht schon einmal beim Anziehen helfen?“ fragte meine Kollegin. Ein 
hastiges „Nein, nein, danke.“ 
Frau Meier versuchte erneut, sich Michael zu nähern. Der rannte an ihr vorbei, schnappte 
sich ihr Bein und umschlang es fest. Der kleine Michael ist schon ein recht kräftiger Bursche 
geworden. Frau Meier, unvorbereitet und noch in vollem Tempo, wäre fast gefallen. Ihr
Gesicht wurde hochrot. Nur nicht laut werden, schien sie zu denken. Jedenfalls äußerte sie 
derlei Gedanken häufig in Elterngesprächen. Füge deinem Kind keine Traumata zu, es sucht
sich seine Grenzen selbst und reguliert sich ganz von allein. 
Die Grenze, die Michael soeben gesetzt hatte, überraschte Frau Meier jedoch offensichtlich. 
Sie versuchte, sich sanft und ohne Worte aus Michaels Griff zu lösen. Er ließ los, jedoch nur
um erneut Anlauf zu nehmen und zuzupacken. Diesmal fester. Und er ließ nicht mehr los. Es 
tat einen Schlag. Frau Meier konnte den Sturz gerade noch abfangen und sich und ihr Baby 
retten. Wieder versuchte sie sich aus der Umklammerung zu lösen. Michael hielt jedoch 
fest. Es gelang seiner Mutter, ein paar Schritte zu gehen, indem sie ihn am Bein hinter sich 
her schleifte. Immer noch war sie standhaft geblieben und hatte es geschafft, ihn nicht zu 
maßregeln. 
Michael brüllte immer lauter, seine Hose rutschte immer tiefer und Frau Meier hatte 
zusehends mehr Mühe, ihren Sohn mit sich zur Tür zu bitten. Plötzlich änderte sich etwas – 
ihr Gesicht wurde vom Zorn verzogen. Ebenso orientierungslos wie ihr Sohn blieb sie stehen
und trat nach ihm. Mehrfach. Bis er los ließ. Sie schaute nicht hin, sah nicht, wo sie ihn traf. 
Doch ihm eine verbale Grenze zu setzen, hatte sie bisher zum Glück immer noch vermeiden 
können. Frau Meier stampfte zur Tür hinaus, Michael schreiend hinterher… 

Rita ist ein lebendiges kleines Mädchen. Vor ca. einem halben Jahr ist sie aus der Krippe in 
unseren Elementarbereich gekommen und hat sich schon gut eingelebt. In ein paar Wochen 
wird sie 4 Jahre alt. Rita ist ein sehr willensstarkes Kind, sie weiß stets was sie will und wie 
sie dies durchsetzt. „Rita, pass auf, das tut der Emma doch weh, wenn du ihr mit der Schippe 
auf den Kopf haust!“ „Rita, nicht an Karolas Pulli reißen, der geht doch kaputt!“ „Rita, nein 
schüttel deine Haare mal bitte nicht so doll über der Suppenschüssel, die anderen Kinder 
wollen bestimmt keine Suppe mit Haaren essen.“ „Rita, wenn du satt bist, darfst du deinen 
Teller abräumen. Das Essen brauchst du bitte nicht auf den Tisch zu schmieren.“ „Nein, bitte 
fass mir nicht so oft ins Gesicht, ich möchte das nicht.“ usw. 
So war es bereits den ganzen Vormittag gegangen. Rita hatte eine ganz einfache Strategie, 
mit den Äußerungen der ErzieherInnen und anderen Kinder umzugehen – sie ignorierte sie 
einfach und grinste. Dann machte sie weiter, was sie gerade tat. 
Mein Kollege mischte sich nun ein: „Rita, och komm mal her, meine Süße! Das ist ja auch 
blöd, nichts darf man.“ Er nahm sie in den Arm und herzte sie. Unter seiner Armbeuge hervor 
schaute sie mich an und grinste sehr zufrieden. Der Kollege grinste ebenfalls und sagte ganz 
enthusiastisch: „Ach, ich liebe solche selbstbewussten Superkinder!“ Ich teilte ihm später 
unter 4 Augen mit, er könne sich Rita von mir aus gern sauer einlegen.
Einige Tage später saß besagter Kollege am Boden und las den Kindern eine Geschichte 
vor. Er schien damit auch Ritas Aufmerksamkeit geweckt zu haben. Ungestüm näherte sie 
sich ihm, drängelte die anderen Kinder beiseite, sprang grob auf seinen Schoß, stieß das 
Buch hinunter, streckte ihre Zunge heraus und leckte dem Kollegen herzhaft einmal quer 
über das Gesicht. Wieder grinste sie. Es ging so schnell, dass der Kollege wohl gar nicht 
hatte reagieren können. In dem Moment wurde mir bewusst: Es gibt Tage, da liebe auch ich 
solche „selbstbewussten Superkinder“…. 

Es ist Weihnachtszeit. Wir backen Plätzchen. Vorab erklären wir den Kindern, dass wir 
gleich den Teig kneten und die Plätzchen ausstechen werden, und uns daher nun mit Wasser 
und Seife gründlich die Hände waschen. Mit gutem Beispiel gehen wir voran. 
„Wenn ihr eure Hände gewaschen habt, steckt sie bitte nicht mehr in den Mund, die Nase 
oder die Hose. Die anderen Leute wollen nicht eure Pipi oder Popel usw. essen“ kläre ich 
die Kinder auf. Wir setzen uns an den Tisch. Aurelia steckt ihre ganze rechte Hand in den 
Mund, lutscht daran herum und grapscht dann beherzt in den Teig. Dabei zieht sie einige 
Spuckefäden an der Hand hinterher. Macht nichts, ich mag doch Kinder, denke ich noch 
und sage: „Aurelia, geh dir jetzt bitte noch einmal die Hände waschen.“ Beleidigt guckt sie 
mich an und zieht nach kurzem Protest-Warten bockig von dannen. Währenddessen popelt 
Augustin in seinem Luxusnäschen und verziert die bereits ausgestochenen Plätzchen mit 
seinen Fingern. Auch ihn schicken meine Kollegin und ich freundlich aber bestimmt noch 
einmal zum Händewaschen. 
Nach anderthalb Stunden, einigen aussortierten Plätzchen, ein paar Nerven weniger und ein 
paar grauen Haaren mehr, haben wir die Plätzchen endlich fertig. Wir möchten gern teilen 
und auch unserer Leiterin und unserer Sekretärin ein paar davon bescheren. Aurelia und 
Augustin tragen den kleinen Teller mit den Plätzchen stolz vor sich her ins Büro. Ich schleiche 
hinterher und raune der Sekretärin leise zu: „Die sind garantiert popelfrei!“

Alles neu macht 2014

Ich habe mir für dieses Jahr ein bisschen Unterstützung eingeladen, welche je nach Zeit und Lust dieses Blog ein bisschen erfrischen und thematisch etwas erweitern wird, worauf ich mich freue.
Da dieses Blog zu einem Mama,- oder Familienblog geworden ist, werden sich die Posts von Aurelia also weitestgehend einfügen, kurz gesagt: das Hauptthema sind und bleiben unsere Kindsköpfe.
Zudem ist Aurelia die Patentante von unserem Mausekind.
Zum Anderen arbeitet sie seit 17 Jahren als Facherzieherin für Integration. Derzeit in einer 
Kindertagesstätte in einem sozial schwächeren Bezirk einer Großstadt.
Unter der Rubrik „Grenzenlos und popelfrei“ können uns ihre Erzählungen und Anekdoten ein Fenster öffnen und damit einen ganz persönlichen Eindruck von dem verschaffen, was uns Eltern verborgen bleibt, wenn wir unsere Kinder für Stunden in die Obhut einer Kita geben.
Wie ist das so, das Erleben „auf der anderen Seite der Kitamauer“ in der heutigen Zeit? Gehen diese neuen Konzepte unserer Erziehung wirklich auf? 

Ich freu mich drauf. Und auf viele, weitere Bilder natürlich auch.

Ein frohes und gesundes 2014 wünschen Euch
Aurelia und Jule